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Dr. Heinz Malzahn - Gemmologisches Labor / Diamantenhandel
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Muß ein Brillant immer »weiß« sein?

Siehe auch »Farbige Diamanten«.

Mit dem Wort »Diamant« verbindet sich seit dem Altertum bis heute das Ideal des farblos klaren, äußerst wertvollen Edelsteins, und dies obwohl auch große farbige Steine weltberühmt wurden: der tiefblaue »Hope«, der kanariengelbe »Tiffany«, der rosafarbene »Condé«, der »Dresden Grün« oder der »Amsterdam Black«.

Warum sollte Diamant denn nur ein weißer Edelstein sein, wo doch die Natur auch schöne farbige Kristalle hervorbringt? Die Wertschätzung eines Edelsteins richtet sich nach der optischen Attraktivität (auch nach der Schönheit der Farbe), nach der Härte (um ihn dauerhaft tragen zu können) und nach der Seltenheit. Das letzte Wort muss allerdings relativiert werden. Ein Edelstein, der allgemeine Wertschätzung erfahren will, muss doch auch ausreichend verfügbar sein. Nur so kann er populär bleiben!

Einen beeindruckenden Effekt zeigt natürlich vor allem der weiße Diamant: nämlich das bunte Farbspiel der Dispersion, in dem sich das einfallende Licht wie an einem Prisma in die Regenbogenfarben aufspaltet.

Der purpurrote Knüller

Schöne, intensiv gefärbte Diamanten gelten als außerordentlich seltene und normalerweise nicht verfügbare Exoten. Nur Liebhaber, die von dem Vorhandensein solcher Steine überhaupt Kenntnis haben, zahlen für »phantasiefarbene« Diamanten auch phantastische Preise.

Eine Auktion bei Christie‘s im April 1987 brachte den vorläufigen Rekord: ein purpurroter Brillant mit 0.95 Karat Gewicht und mit Piqué (sichtbaren Einschlüssen) wurde für 880.000 US-Dollar verkauft - dies entsprach damals einem Karatpreis von sage und schreibe über 1,6 Millionen D-Mark! Ein Stein von feinem Weiß kostet bei gleich mangelhaftem Reinheitsgrad nur rund 3000 Dollar: also 290mal weniger!

Selbst gelbe Steine mit intensiver Farbsättigung erreichen traumhafte Preise. Bei Christie’s wurde im Juni 1990 ein intensiv gelber 18.5-Karäter für 3,76 Millionen Dollar verkauft. Das war ein sehr hoher Preis für einen gelben Stein.

Normalerweise werden Karatpreise über 200.000 Dollar nur für rosafarbene und blaue Diamanten erreicht. Das Auktionshaus Sotheby’s in New York erzielte im Oktober 1994 für einen 20.17 Karat schweren blauen Diamanten 9,9 Millionen Dollar. Dies entspricht einem Karatpreis von 490.000 Dollar! Anders als bei farblosen (weißen) Steinen spielt bei farbigen Diamanten der Reinheitsgrad keine so bedeutende Rolle. Es wird vor allem die Tiefe der Farbe bewertet.

Echt selten: Rot und Grün

Farbige Diamanten sind, wenn man darunter nicht gerade intensiv gefärbte grüne, blaue oder gar rote Steine versteht, in der Natur durchaus verfügbar. Sie werden in allen Lagerstätten gefunden, in einigen treten farbige Diamanten sogar besonders häufig auf. Das beste Beispiel dafür sind die rosa (pink) Farbtöne und rötlichbraunen Steine aus der Argyle-Mine in Australien.

Die weltweit häufigsten Diamantfarben - neben den als »weiß« bezeichneten, aber doch immer schwach getönten Steinen - sind Gelb und Braun sowie deren Mischfarben. Die seltensten Farben sind Rot und Grün.

Farbige Diamanten waren, wenn sie nicht durch besondere Größe und intensive Farben auffielen, offensichtlich über Jahrhunderte nicht gefragt. Sie führten als »abfarbige« Steine ein Schattendasein und wurden oft gar nicht erst geschliffen.

Bis heute hat sich die Einteilung der Rohdiamanten in drei Qualitätsstufen gehalten:

  • GEM-Serie: weiße bis leicht gelb getönte Steine. Dazu kommen die äußerst seltenen und auffällig intensiv gefärbten »Fancies«.
  • NEAR-GEM-Serie mit schleifbaren Diamanten aber angeblich »ungeliebten« Farben. Diese Diamanten wurden hauptsächlich für sehr anspruchsvolle Werkzeuge verarbeitet.
  • INDUSTRY-Serie mit Diamantmaterial, das als nicht schleifbar gilt.

Diese Einteilung sollte aber der Vergangenheit angehören. Alle durchsichtigen Diamanten, ob nur schwach getönt oder stark gefärbt, sind, wenn ihr Aufbau und der Erhaltungszustand das Schleifen zulassen, der Kategorie Edelstein zuzurechnen.

Der Siegeszug der Farben

Einer der bekanntesten Farbsteinhändler der Welt, der Antwerpener Eddy Elzas, begann seine erfolg- reiche Karriere in den späten 60ern in Johannisburg. Eine Schleiferei hatte ihm eine Schachtel mit »abfarbigen« Diamanten überlassen, in der sich seit drei Genrationen die unverkäuflichen Steine ansammelten. Eddy Elzas war begeistert von den bunten Steinen. Warum sollten weingelbe oder goldbraune Topase, orangefarbene Spessartine, zimtfarbene Hyazinthe oder rotorange Padparadschas beliebte Edelsteine sein - farbige Diamanten aber nicht?

Die Schachtel mit den »Abfarbigen« und die entflammte Begeisterung waren die Basis für den millionenschweren Erfolg des Eddy Elzas. Sie war auch der Grundstock für seine berühmte, aus über 300 Steinen bestehende »Rainbow Collection«. Diese »Regenbogen-Sammlung« enthält alle Diamantfarben von Rot über Rosa zu Orange, Gelb, Grün und Blau - vor allem auch die interessantesten Mischfarben.

Der Handel mit farbigen Diamanten war bislang nur ein kleines, wenn auch interessantes Marktsegment. Farbige Steine gewinnen aber seit einigen Jahren zunehmend an Bedeutung. Einen Diamant mit attraktiven Farben bezeichnet man als »Fancy« - das meint: phantasiefarben.

Was heißt eigentlich »Fancy«?

Den Fancys stehen Diamanten mit kaum wahrnehmbarer Gelbtönung bis leicht gelb gegenüber; nur für die gelbgetönte Serie, auch »Cape-Serie« genannt, gibt es genaue Bewertungskriterien. Zwischen beiden Gruppen bewegen sich jene Diamanten, die nur schwache Farbtöne aufweisen, so etwa leicht rosa, grünlich, leicht graublau oder bräunlich. Auch sie bezeichnet man mit mehr oder weniger Berechtigung als Fancies. Braune und gelbe Steine, deren Farbsättigung noch nicht gut genug ist, liegen noch im Bereich der Cape-Serie; man will ihnen den schmückenden Titel »Fancy« nicht überlassen.

Aber der Markt ist für verkaufsfördernde Farbbezeichnungen immer offen. Je nach Tönung werden gelblichbraune Diamanten als »champagnerfarben«, hellbraune als »cognacfarben« angeboten. So werden Töne, die keine Fancy-Farben darstellen, deutlich aufgepeppt. Hingegen wird die Phantasiebezeichnung »canary« (kanarienvogelfarben) als Fancyfarbe verwendet. Im Handel fest eingebürgert hat sich übrigens die Bezeichnung »pink« statt rosa.

Darüber hinaus hat die Kreativität des Handels eine große Zahl von Phantasiebegriffen zur Bezeichnung bestimmter Farbtöne hervorgebracht.

Es herrscht in Sachen »Fancy« also immer noch ein babylonisch-buntes Durcheinander...

Schwierig: die Sprachregelung

International renommierte Diamantlaboratorien bemühen sich seit Jahren um eine einheitliche Terminologie und ein schlüssiges Graduierungssystem für farbige Diamanten. Das GIA-Gem Trade Laboratory in den USA stellte in der Winterausgabe 1994 von »Gems und Gemmology« ein Graduierungssystem für farbige Diamanten vor, das bis auf geringfügige Abweichungen international praktiziert wird.

Was heißt nun »Fancy«? Alle farbigen Diamanten in Edelsteinqualität mit Ausnahme der naturfarbenen Cape-Serie und naturbraunen Steine werden so bezeichnet.

Die Beschreibung eines farbigen Diamanten beginnt dabei mit der Intensität der Farbe, mit dem Farbsättigungsgrad. Sie reicht von »fancy light« über »fancy« bis zu »fancy dark« - man unterscheidet also von hell nach dunkel mit einer ganzen Reihe von Abstufungen.

Der Intensität folgt die Farbbezeichnung selbst. Bei Mischfarben werden immer zwei Hauptkomponenten genannt; die dominierende Komponente wird nachgestellt. Beispiel: »fancy light green- yellow« (zu deutsch: phantasiefarben leicht grüngelb) oder »fancy dark red-brown«. Zur Farbeinstufung hat sich das Munsell-Farbsystem des »Munsell Book of Color« durchgesetzt. Zum Farbvergleich stehen 1.600 Kunststoffchips als Farbkarten zur Verfügung.

Die Farbwirkung der farbigen Diamanten wird sehr stark von den Lichtverhältnissen beeinflußt. Die Wirkung unter Kunstlicht und Tageslicht kann sehr unterschiedlich sein. Rotkomponenten in braunroten Steinen werden zum Beispiel durch gelbliches Kunstlicht sehr verstärkt. Farbwechsel, wie sie bei Alexandrit beobachtet werden, sind damit aber nicht gemeint.

Die farbigen Geheimnisträger

Die Ursache der natürlichen Farben von Diamanten zu erklären, ist schwieriger als das Auffinden schön gefärbter Steine selbst.

Diamantfarben werden vor allem durch Baufehler in der Kristallstruktur hervorgerufen. Man konnte dies durch künstliche Behandlungstechniken nachweisen, die zu entsprechenden Farbveränderungen an Diamanten führten. Trotz des Einsatzes modernster Analysetechniken bleiben jedoch viele Fragen offen.

Bei gelben Farben herrscht in der Wissenschaft Klarheit: Sie werden durch Stickstoff-Atome oder -Aggregationen (Platelets) im Kristallgitter verursacht. Schon 20 Stickstoffatome auf eine Million C-Atome können eine tiefgelbe Körperfarbe des Diamanten verursachen.

Für die seltene Blaufärbung ist das Element Bor verantwortlich. Die mit der Bor-Dotierung verbundenen Elektronenfehlstellen verleihen einem blauen Diamanten auch Halbleiter-Eigenschaften.

In der australischen Argyle-Mine sind neuerdings aber auch blaugraue Steine gefunden worden, denen die Halbleiter-Eigenschaft fehlt; diese Steine weisen erhöhte Gehalte von Wasserstoff und Stickstoff auf.

Die außerordentlich seltene natürliche Diamantfarbe Grün ist offensichtlich durch natürliche Radioaktivität entstanden. So selten ein durchgehendes Grün als Körperfarbe ist - grüne Farbhäutchen um farblos klare Kristalle hingegen treten in einigen Lagerstätten haufig auf; auch diese feinen Farbschichten sind durch natürliche Radioaktivität entstanden.

Der berühmte »Dresden Grün«, den man im Dresdner Albertinum bewundern kann, ist der einzige größere naturgrüne Diamant, der bisher bekannt ist. Den in Tropfenform geschliffenen, 40.7 Karat schweren Stein erwarb Kurfürst Friedrich August II. im Jahre 1741. Nachdem Indien zunächst als Herkunftsland galt, wird neuerdings von Experten Brasilien angegeben.

Die häufige Braunfärbung hängt mit Strukturstörungen im Diamanten zusammen. Sie wird hauptsächlich durch plastische Deformation des Kristalls hervorgerufen. An braunen Diamanten sind oft Linien, Rippen, Stufen und braune Farbschlieren zu erkennen, die der Oktaeder-Ebene als Translationsebene folgen.

Für prächtige Farben wie Orange, Rosa oder Rot ist die Farbursache bis heute nicht eindeutig geklärt; in rosafarbenen Kristallen fand man etwas Nickel.

Sogar die Farbe Schwarz ist ungeklärt. Die alte und einleuchtende Behauptung, das Schwarz rühre von Myriaden feinster Graphiteinschlüsse her, ist nicht haltbar - obwohl man Graphit als Einschluss in Diamant kennt; es können auch feinverteilte Sulfide sein. Zudem kann man opake, milchig graue, gelbliche und grünlichgraue Steine durch Teilchenbeschuß in tiefschwarze Diamanten verwandeln; Strukturstörungen können also ebenfalls in Frage kommen.

Farbursachen an Diamanten sind also in der Regel Störstellen im Kristallgitter, die als Farbzentren wirken. Sie führen dazu, dass Teile des eingestrahlten Lichts verschluckt werden - man nennt dies selektive Absorption -, und dadurch ändert sich die Farbe. Ein Nachweis dafür ergab sich aus zahlreichen Versuchen, die Diamantfarben künstlich zu beeinflussen.

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