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Dr. Heinz Malzahn - Gemmologisches Labor / Diamantenhandel
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Wieviel Diamant gibt es?

Gehen uns bald die Naturdiamanten aus?

Die Angst, dass die Rohstoffe ausgehen könnten, bezieht sich nicht nur aufs Erdöl: In den frühen 70er Jahren gab es durchaus ernstzunehmende Prognosen über ein mögliches Versiegen der Diamantquellen zu Beginn des 21. Jahrhunderts. Klassische Fördergebiete wie Indien und Brasilien lieferten schon lange keine nennenswerten Mengen mehr, und der neue Hauptlieferant Afrika wird seit Entdeckung der Vorkommen 1867 intensiv ausgebeutet. Die jährlichen Steigerungsraten aber entwickelten sich exponentiell. Betrug die Förderung 1920 nur 3 Millionen Karat, so war sie Anfang der 70er Jahre bereits auf 45 Mio. angestiegen!

Aber keine Sorge!

Man unterschätzte das Potential der damals schon bebauten Diamantfelder von Sibirien sowie den Reichtum der gerade neu aufgeschlossenen Vorkommen in Australien. Heute kommen allein aus den Gruben von Sakha (Jakutien) und aus Australien jährlich 55 Mio. Karat: fast die Hälfte der auf rund 120 Mio. Karat gestiegenen Weltproduktion.

Auch auf dem afrikanischen Kontinent haben sich die Proportionen verschoben. Das führende Land dort ist heute Botswana, seine Produktion stieg auf 20 Mio. Karat; die Jwaneng-Mine ist die mit Abstand produktivste Mine der Welt.

Im Gegensatz zur Einschätzung in den 70ern ist die Prognose über die Reserven zu Beginn des neuen Jahrtausends überaus positiv: Die Kette der Erfolgsmeldungen reißt nicht ab. Völlig neue Produktions- und Perspektivgebiete entstanden in Nordosteuropa - Russland, Karelien, Finnland - und in Kanada.

Wie ist die rasante Entwicklung zu erklären? Der russische Geologe Vladimir S. Sobolev (1908 - 1982), Vater einer neuen Erkundungsphilosophie, ging von strukturgeologischen Überlegungen aus: Er schloß aus der Ähnlichkeit des sibirischen mit dem südafrikanischen Kraton, dass es in Zentralsibirien auch Diamanten geben müsse. Mit enormen Aufwand wurde zielgerichtet nach Diamanten gesucht - und gefunden.

Bis dahin verließ man sich bei der Diamantsuche mehr oder weniger auf Zufallsfunde. Das änderte sich mit Sobolevs Erfolg gravierend: Man untersuchte jetzt Gebiete, in denen noch nie Diamanten gefunden wurden, die aber fundversprechende geologische Strukturen aufwiesen.

Der Kalahari-Kraton ist ein gutes Beispiel: In den 60ern wurden hier die Finsch-Mine in Südafrika sowie die Orapa- und die Jwaneng-Mine in Botswana mit hervorragenden Diamantgehalten entdeckt. In der gleichen geologischen Großstruktur liegt das neue Flaggschiff des De Beers-Konzerns, die Venetia-Mine, sowie die neu erschlossenen Lagerstätten Klippspringer und die erst 1998 eröffnete, kleinere, aber äußerst diamantreiche Mine Marsfontein. Ein großes Zukunftspotential haben natürlich auch die Küstenlagerstätten Südafrikas und Namibias. Im Schelf des Süd-Atlantiks warten noch große Vorräte hochwertiger Diamanten auf ihre Hebung.

Früher meist sekundäre Quellen...

Dominierten noch in den 70ern die sekundären Lagerstätten, so änderte sich auch dies gravierend: Heute kommen rund 80% aus primären Vorkommen, also aus Kimberliten und Lamproiten. Dies hatte aber zur Folge, dass der Karat-Durchschnittswert der Weltproduktion sank!

Diamanten aus sekundären Lagerstätten sind in der Regel hochwertiger. Dies ist leicht erklärt: Schwache, rissige, einschlussreiche und sehr kleine Kristalle überstehen die Transporte in Flüssen, Dünen, Meeresbrandungen und andere Umlagerungsprozessen oft nicht - es findet eine qualitative Selektion statt.

Man bedenke auch: In der Vergangenheit wurden Diamanten oftmals zunächst auf ihrer sekundären Lagerstätte entdeckt - erst später fand man die primären Quellen. In Afrika gibt es typische Beispiele. Angola besaß bedeutende Reserven hochwertiger Diamanten in den Seifengebieten im Tal des Cuango/Provinz Lunda Norte - die erst in den letzten Jahren entdeckten Kimberlite von Camute (12 ha), Camafuca-Camazambo (160 ha) und Catoka (65 ha) machten Angola zu einem der bedeutendsten Perspektivgebiete der Welt.

...heute meist zuerst primäre!

dass selbst im gut durchforschten Afrika immer noch etwas Neues zu holen ist, zeigt das Beispiel Mauretanien. Weit ab von bekannten Diamantfeldern wurde hier zielgerichtet in den ältesten Teilen eines Kratons, im Regulbat-Archon, prospektiert - jedoch nicht, weil man sekundäre Vorkommen kannte und deshalb die primären suchte.

Man suchte nach geologischen Regeln direkt die Kimberlite auf. In Mauretanien konnten bisher fünf diamantführende Kimberlite nachgewiesen werden; ihre Wirtschaftlichkeit ist noch nicht erwiesen. Dies zeigt: Auch in Afrika werden immer wieder neue Quellen sprudeln. Eine Jahresproduktion von mindestens 62 Mio. Karat ist für die nächsten 20 Jahre gesichert.

Ein großes Potential für die Zukunft bieten auch die russischen Vorkommen. Die Kimberlitregion Sakha mit den Lagerstätten »Udatschnaja« (nach dem Förderwert die zweitgrößte Mine der Welt) und die »Jubileenaja« wird als äußerst perspektivreich bewertet. Hochwertige Diamanten, relativ hohe Diamantkonzentrationen und große Kimberlitkörper sind für diese Region charakteristisch.

Unter den über 800 bekannten Kimberlitschloten dieser Region gibt es sehr große und bauwürdige Kimberlitkörper, die bergmännisch noch nicht erschlossen sind; als nächstes werden die Botyubinskaja- und Nyurbinskaya-Kimberlite aufgeschlossen werden. Also hat auch Sibirien für die nächsten 20 Jahre eine sichere Perspektive: Die gegenwärtige Jahresproduktion von 25 Mio. Karat wird in Zukunft sogar steigen.

Ob die neue russische Diamantregion am weißen Meer in der Provinz Oblast unweit der finnischen Grenze die ostsibirische Provinz eines Tages übertreffen wird, ist noch nicht sicher. Wieder erwies sich die Suche in alten Schilden als erfolgreich: Allein unweit der Stadt Archangelsk entdeckte man 80 Kimberlitvorkommen!

Wirtschaftliche Gehalte über 0.3 Karat pro Tonne Kimberlit fand man in der Grip Pipe (Januar 1996 entdeckt) und in 5 Pipes des Lomonossow-Kimberlitfeldes 300 km südlich Grip. Mit dem Beginn des Abbaus ist in den nächsten Jahren zu rechnen. Optimistische Prognosen gehen davon aus, dass die neue Provinz Archangelsk sich zu einer der führenden Regionen der Welt entwickeln wird.

Im Bereich des Baltischen Schildes gibt es weitere Meldungen über diamantführende Kimberlite, nämlich aus Karelien und Finnland.

Wie rasant die Entwicklung verlaufen kann, wenn erst einmal wirtschaftliche Vorkommen gefunden sind, zeigt Kanada. Der größte Kraton der Erde weist sechs bedeutende Kerngebiete auf; allein im Bereich des Slave-Archons entdeckte man bisher über 250 Kimberlitvorkommen. Das wirtschaftliche Potential zeigt die erste Diamantmine Kanadas, die Ekati.

Als nächste Mine in Kanada wird die Diavik wahrscheinlich 2002 die Produktion aufnehmen. Die diamantreichen Kimberlite von Snap Lake und Kennedy Lake, die ebenfalls in der Lac de Gras-Region nordöstlich von Yellowknife liegen, werden auch in der ersten Dekade des neuen Jahrhunderts die Förderung beginnen.

Diamantführende Kimberlite sind mittlerweile auch aus anderen kanadischen Gebieten bekannt, so in Quebec, Ontario, Saskatchewan, Alberta und in Nunavut (die Jericho-Lagerstätte); die ergiebigsten Diamantgehalte beschränkten sich bisher auf den Kernbereich des Slave-Archons. Die Erfolgsmeldungen nehmen kein Ende: Erst kürzlich wurden bei Snap Lake, 220 km nordöstlich Yellowknife, diamantreiche Dykes entdeckt. Kanada wird also binnen kurzer Zeit einer der bedeutendsten Diamantproduzenten sein, und zwar auf lange Zeit.

Nicht so positiv fällt die Prognose für Australien aus. Die Argyle Mine im Nordwesten nahm im Dezember 1985 die Produktion auf und förderte die gigantische Menge von über 510 Millionen Karat. Der Wert der Steine ist leider gering: Sie sind mit durchschnittlich 0.12 ct sehr klein, überwiegend braun und oft korrodiert. Die im Tagebau zugänglichen Reserven sollen Ende 2003 erschöpft sein. Die Umstellung auf Untertage-Abbau wird von der Preisentwicklung abhängen. Qualitativ sehr gute Diamanten wurden 1994 im Northern Territory entdeckt. Im Februar 1999 nahm die Merlin-Mine ihre Produktion auf.

3,4 Milliarden Karat

Obwohl die Menschen der Allmutter Erde mit immer größerem Eifer, immer besserer Technik und in immer unzugänglicheren Gebieten die superharten Edelsteine abtrotzen, ist an eine Erschöpfung der Vorräte noch nicht zu denken. Von der Antike bis heute sind schätzungsweise über 3,4 Millarden Karat Diamant - das sind 680 Tonnen - gefördert worden. Unter Berücksichtigung des Schüttvolumens sind das rund 323.000 gefüllte Wassereimer: eine Eimerkette von über 90 Kilometern Länge voller Diamanten. Es scheint so, dass die Diamantreserven groß genug sind, um beruhigt die nächsten 90 Kilometer anzugehen.

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