Historisches
Die Geschichte des rohen unbearbeiteten Diamanten als Schmuckstein, Talisman und Amulett ist vielleicht schon 7000 mit Sicherheit aber über 2000 Jahre alt. Die Historie des geschliffenen Diamanten ist dagegen noch recht jung. Die ersten Polierversuche, mit denen lediglich natürliche Diamantflächen geglättet und transparent geschliffen wurden, machte man in Europa im 13.Jahrhundert. Solche nachpolierten Oktaeder wurden Spitzsteine genannt.
Noch im 14. Jahrhundert durften in Indien Diamanten nicht bearbeitet werden. Man glaubte, dass sie an magischer Kraft verlieren würden. Bis zum 14. Jahrhundert wurden Diamanten nur selten in europäischen Schmuck verarbeitet. Es handelte sich um ungeschliffene oder nachpolierte, trübe und einschlussreiche Kristalle. Sie schöpften ihren Wert aus dem Mythos. In einigen europäischen Kronen und Regalien finden sich geschliffene Diamanten in Form von 4-Seitigen Doppelpyramiden (Spitzsteine) oder Pyramiden, deren Spitzen durch kleine Facetten abgestumpft sind (Knopfschliff).Nur wenige Schmuckstücke mit Diamanten sind aus dem Mittelalter überliefert, da die meisten Diamanten später neu geschliffen und in modernerem Schmuck verwendet wurden.
Maximilian I schenkte 1477 Maria von Burgund einen Ring mit einem Spitzstein zur Verlobung. Damit wurde Diamant als Symbol für die Unzerstörbarkeit von Liebe und Ehe bekannt.
Eine ausgesprochen formgebende Bearbeitung, die die Konturen des Rohsteins weitgehend verändern, wurde zuerst in Europa und frühestens im 15. Jahrhundert durchgeführt. In den Schriften des berühmten florentinischen Goldschmieds und Bildhauer Benvenutto Cellini finden sich 1568 sehr konkrete Beschreibungen von geschliffenen Diamanten.
Die Kunst des Diamantschneidens entwickelte sich zuerst in Venedig und nahm den Weg über Brügge in Belgien zurück ins Ursprungsland der Rohdiamanten nach Indien.
In der Renaissance kamen zu dem Spitzstein die Tafel und Rosenschliffe hinzu. Man verwendete flache Spaltstücke und Zwillingskristalle.
Im höfischen Schmuck des 17. Jahrhunderts tauchen dann zunehmend große spektakuläre und aufwendig geschliffene Diamanten auf. Die 6 Reisen des berühmten französischen Edelsteinschleifers Jan Babtiste Tavernier zwischen 1631 und 1689 nach Indien, seine Beschreibungen der fernöstlichen Diamantschätze und seine Einkäufe hatten großen Einfluss auf Diamantschliffe und Diamanthandel in Europa. Nun kamen zu den Spitz-und einfachen Tafelsteinen facettenreicheRosenschliffe hinzu. Die einfachen Tafelsteine erhielten 4 oder 12 zusätzliche Facetten. Der Tafelstein mit 12 zusätzlichen Facetten wird nach dem Kardinal und Minister Ludwigs XIII, Mazarin Schliff genannt. Letztgenannte Schliffart bezeichnet man auch als »Zweifaches Gut«.
Im 18. Jahrhundert, dem Zeitalter der Aufklärung, musste Schmuck funkeln und glitzern. Bekannte Schliffformen wurden verfeinert, neue erfunden. So entstand aus dem Zweifachen Gut (Mazarin- Schliff) durch Hinzufügen weiterer Facetten das Dreifache Gut auch Peruzzi-Schliff oder Lissabon-Schliff genannt. Im Prinzip ist diese quadratische oder rechteckige Schliffform des dreifachen Guts der Vorläufer des Brillantschliffs. Schliffe mit quadratischem oder rechteckigem Umriss und der Anlage von Brillantfacetten werden heute als Kissenschliff bezeichnet, der Vorläufer ist das Dreifache Gut. Bei diesem Schliff sind 32 Facetten auf dem Oberteil und 24 Facetten auf dem Unterteil angeordnet, dazu kommt die zentrale Tafel des Oberteils und eine kleine Fläche, die die Unterteilspitze abstumpft, die sogenannte Kalette. Wenn man der beschriebenen Schliffart einen kreisrunden Umriss gibt, entsteht der klassische Brillantschliff. Für die alten Brillantschliffe sind gegenüber modernen Schliffen sehr hohe Ober- und Unterteile und eine auffällig große Kalette charakteristisch. Die Steine wirken dick und reflektieren das Licht nicht optimal.
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| Tafelstein (sog. Dickstein), Seitenansicht: durch Niederschleifen zweier Oktaederspitzen hergestellt; 15. bis 17. Jahrhundert. |
Tafelstein, Oberteildiagramm. |
Tafelstein mit 4 zusätzlich angelegten Facetten, Oberteildiagramm. |
Tafelstein mit 12 zusätzlichen Facetten, Oberteildiagramm. Diese Schliffart wurde zur Mitte des 17. Jahrhunderts vermutlich von Jules Kardinal Mazarin entworfen. (sog. »Mazarin-Schliff«.) |
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| Zweifaches Gut, entwickelt aus dem »Mazarin-Schliff« |
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| Dreifaches Gut, sogenannter »Peruzzi-Schliff«, 18. Jahrhundert |
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| Sog. »Englischer Brillant«, 18. Jahrhundert |
Im 19. Jahrhundert wurden die Schliffe hinsichtlich der Lichtausbeute verbessert. Der Brillantschliff wurde weiter variiert. Neben runder und klassischer Kissenform entstanden tropfen oder birnenförmige, ovale und spitz zulaufende ovale Formen, letztere sollen dem Mund der legendären Marquise de Pompadour nachempfunden sein. Sie werden deshalb Marquisenschliff genannt. Eine andere Bezeichnung ist Navette weil er an den Rumpf einer Segeljacht erinnert.
Im 20. Jahrhundert, besonders nach dem 1. Weltkrieg, ging die Mode mehr zu einfachen geometrischen Formen und stark stilisierten Naturformen über. Diamanten waren entsprechend auch in geradliniger Schliffformen gefragt. Baguettschliffe (abgeleitet von dem langgestreckten französischem Weißbrot) und Treppenschliffe wie der Smaragdschliff wurden kreiert.
Seit der Entwicklung des Dreifachen Gutes und des daraus entstandenen Brillantschliffs dominierte der Brillantschliff bei Diamant absolut. Fantasieschliffe mit freien Formen waren bis in die 80ziger Jahre dieses Jahrhunderts sehr selten. Der Antwerpener Diamantschleifer Gabi Tolkowski leitete mit seiner Kreation von 5 neuen sogenannten Blumenschliffen eine Mode freier Fantasieschliffe auch für Diamant ein. Diese Tendenz wird durch die Schliffe »Context« ( ein Spitzstein mit optimal reflektierenden Flächenwinkeln) und »Spirit Sun« des Schleifers Munsteiner fortgesetzt (s. auch Bildtafel »Moderne Schliffe für Diamanten« unter Fantasieschliffe).
Wir selbst berücksichtigen in unserer Schleiferei diese Mode durch freie fantasievolle Schliffe mit schönen Reflexbildern und hoher Lichtreflektion.
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